Trains en Alsace Lorraine

Ausflug nach LUTZELBOURG

Der folgende Bericht ladet Sie ein zu einem Ausflug in Zeit und Raum : Raum da der geschilderte Bahnhof einem realen Vorbild nachgebaut wurde, Zeit da die gewählte Epoche (1948 bis 1955) getreu nachproduziert wurde Es ging darum längst vergangene Lebensbilder wieder zu erwecken. So wurde auf die Detailtreue und Glaubwürdigkeit grossen Wert gelegt.


Von der alten mittelalterlischen Burgruine überblicke ich das ganze Tal. Von der im letzten Quartal des XI Jahrhundert gegründete Burg, die 1523 geplündert wurde bleiben nur noch der Bergfried und der Turm von Fenetrange. Die hellen Herbstfarben der umliegenden Wälder erleuchten in der blassen Vormittagssonne. Ein im Osten begingenden Rundblick zeigt mir das langgezogene Tal nach der Elsässischen Rheinebene mit der doppelspurigen Hauptstrecke Strasbourg-Paris. Daneben die Nebenstrasse D 132, dann der Zorn Fluss sowie der Rhein Marne Kanal. Ich erblicke jetzt die ersten Häuser von Lutzelbourg, die in Nähe des Kanalhafens erbaut wurden. Im besagten Kanal beladen Binnenschiffe gewahltige Steine die aus nahe gelegenen Steinbrüche kommen. Dann sehe ich ein Seitental, eng mit steilen Wänden, das einer Strasse sowie der meterspurigen Schmalspurbahn nach Maisons-Rouge, Phalsbourg und Drulingen Durchgang erlaubt. Kirche, Rathaus sowie einige Hotels und Gastätten fallen mir auf: Lutzelbourg ist nämlich ein gut besuchter Ausflugsziel und unzählige Wege führen von hier aus in das umliegenden Vogesengebirge.

Ich erblicke jetzt den SNCF Bahnhof mit den langen Abstellgleisen, die Güterrampe wo eine reges Leben herrscht und wo unzählige Baumstämme aus den umliegenden Wälder das Verladen abwarten. Ich sehe auch Sandsteinmühlen aus den Steinbruch zu Vilsberg die von der Schmalspurbahn hertransportiert wurden.

Ein schrilles Pfeifen. Ein lautes Rauschen höre ich vom Westen kommen. Einige Sekunden vergehen bevor ich den langen Personnenzug umweit des Einfahrtssignal sehe. Es ist der Nr. 11, ein Schnellzug der Paris-Est um 8h10 verlassen hat. Er schlängelt der Talkurve nach, fährt am Weichenposten 2 vorbei, legt sich in die 800 MeterRadius Kurve ,verschwindet dann unter meine Füsse im Tunnel zu Lutzelbourg um im meinen Rücken wieder zu erscheinen und um sich seinem Ziel Strasbourg zu nähern. Ich habe die 241 A 10 des Bw Bar Le Duc als Zuglok noch erkennen können.

Die Dampftraktion hat noch das Sagen auf der Hauptstrecke. Dennoch sind Ihre Tage gezählt. Der leichteste Fahrdraht der Welt mit der 25 kV Spannung ist im kommen und wird 1956 die Dampftraktion hier auslöschen.

Aber zur Zeit hallen noch die dumpfen Auspuffschläge der Dampfrösser die sich von der Elsässischen Talebene durch das Zorntal zum Lothringischen Hochplateau hinaufstampfen, auf einer Steigung von 4 bis 6mm/Meter auf ca. 20 Kilometer.

 

Ich beschliesse meinen Standort zu wechseln um den Bahnhof näher zu beobarten. Ein steiler Wanderpfand bringt mich in einigen Minuten auf die Nebenstrasse nach Hultehouse, direkt über den Tunneleingang zu Lutzelbourg.

Der Bahnhof - Kilometerstein 448, (gemessen von Paris aus), beginnt hier am Ausgang des Tunnel (Länge 439 Meter). Die Strecke mit einer Steigung von 6mm/Meter geht in die Ebene auf einige hundert Metern und beginnt nach dem Bahnsteig auf ein weiteres.

Der Bahnhof verfügt über ein Ausweichgleis in beiden Richtungen, eine Laderampe, Abstellgleise sowie Anschluss auf die Meterspurbahn. Er hat nur wenige Bauten zu bieten :

ein Empfangsgebäude des Jahres 1850 aus der Französische Zeit von Napoleon III, ein Güterschuppen sowie ein Stellwerk aus Sandstein der Jahrhundertwende - zur Zeit der Reichseisenbahnen Elsass-Lothringen.

Als Bahnhof dritten Ranges klassiert waren die ursprünglichen Güteranlagen klein bemessen. Der Holz sowie Steinhandel haben mit verschiedenen Erweiterungsphasen die heutigen Ausmasse gesetzt.

Der Personnenverkehr ist auch besonders gross, werden nicht weniger als neuen Kommunen in einem Umkreis von 5 km - so auch die Garnisonsstadt Phalsbourg, bedient.

Ein schriller Pfiff, einige Auspuffschläge, dann das typische Geräusch der Bremsbacken gegen die Laufräder. Es ist der Personnenzug 1464 nach Sarrebourg der aus dem Tunnel erscheint. Heute ist es die 230 F 317 - ehemals P8 3317 der AL, die den aus Gepäckwagen der ehem. Ostbahn und fünf Abteilwagen der ehem. Alsace-Lorraine Bahn gebildeten Zug zieht.

 

Nach der Abfahrt des 1464 ist wieder Stille in das Tal zurückgekehrt. Ich studiere das Ausfahrtssignal Richtung Strasbourg das direkt über dem Tunnel auf Strassenhöhe steht !, Es ist ein ehemaliges AL Signal und der kuriosen Standpunkt ist mit dessen bessere Sicht zu erleichtern begründet.

Ich gehe jetzt die Bahnhofsstrasse entlang. Leider werde ich nicht mehr die T37 mit ihren Vierachsigen Personnenwagen erleben können. Die Schmalspurbahn wurde leider schon 1948 dem Personnenverkehr geschlossen. Nur noch die am Strassenrand gelegen Gleise zeugen auf die vergangene Epoche hin.

Das Hötel de la Gare, bekannt durch seine Gerichte mit frischen Forellen aus der Zorn liegt direkt unter dem Bahnhofsgebäude.

 

Ich habe gerade noch Zeit die Ankunft des 4411, ein GmP von Luneville kommend, zu erleben. Gezogen von einer 230 B der Ostbahn braucht dieser Zug nicht weniger als zwei Stunden um die 74 Km von Luneville nach Saverne zu bewähltigen.

 

Nach dessen Abfahrt schaue ich mich im Güterbahnhof um. Der Hauptteil der Güter bestehen aus Baumstämme sowie Sandsteine aus den Steinbrüchen der Umgebung.

Hier beginnt die Schmalspurbahn nach Drulingen. Es war aber nicht genug Platz vorhanden um alle nötigen Installationen zu erbauen. Es bleib nur Platz für eine Ausweiche ,einige Abstellgleise, Wasserkran sowie eine kleine Kohlebühne. Das restliche wurde in Maison-Rouge erbaut, ein Vorort von Phalsbourg, 10 km von Lutzelbourg gelegen.

Ich bin nun am Ende der Güterrampe, direkt am Weichenposten 2 gegenüber.

Der Expresszug 14, Strasbourg-Paris fährt vorbei, gezogen heute von einer 231 K der ehem. PLM. Diese Loks ,verdrängt durch die Elektrifizierung der Strecke Paris -Lyon, kamen anfang 1950 in den Osten und haben die angestammten AL Loks zum Scheidbrenner geschickt. Die Elektrifizierung der Kohlebahn Charleville-Thionville und der Ast nach Basel hat das Uebrige getan. So sind viele Länderbahngattungen wie S9, S10, S12, S14, P7, G5, G7, G10, G12, T16, T17, , in der ersten Hälfte der fünfzifger verschwunden.

Auch die Zugkompositionen sind schon einheitlich geworden. Die nagelneuen DEV Wagen beherrschen das Bild. Man muss sich schon auf die Internationalen Züge zuwenden um die verschiedensten Wagenkompositionen zu erblicken. Züge aus Belgien, Holland, Schweis und Italien fahren hier vorbei, mit blauen NS Wagen, grune B und CFF Wagen, braune Wagen der FS. Dazu kommen noch die blauen CIWLT Wagen.

Ein Expresszug wie der 36 - Ostende-Milan hält sogar planmässig in Lutzelbourg !. Es war eine andere Epoche.

Aber ich muss jedoch zum Bahnsteig zurück, will ich mein Zug der mich nach Strasbourg zuruckbringen soll nicht verfehlen.

Ich bin gerade durch den Durchlass für die Strasse nach Garrebourg gelaufen , biege nun nach links und wende mich dem Stellwerk Nr 1 zu. Dieser wurde Ende des 19. Jahrhundert gebaut, aus schönen Standstein gehauen aber mit einem Wellblech als Dach bedacht !!!

Der Tag geht seinem Ende zu. Die Luft wird deutlich kühler. Werde ich noch Glück haben den Flagzug im letzten Sonnenscheinlicht zu sehen ?

 

Mein Warten hat sich gelohnt. Ich höre schon die dumpfen Auspuffschläge einer Vierzylinder-Verbund Lok. Ein Pfiff, eine kurze Stille und schon dringt das "Blaue Wahlfisch" aus dem Tunnel.

Es ist die 230 K 276 die heute das Priviläg hat den 'Gummizug' zu ziehen. Dieser Name kommt aus dem Elsässischen Volksmund und bezeichnet diesen mit Michelinreifen bestückten Zug, der rasch an mir vorbei fährt. Die Dampflok dämmert vorbei, im Gegensatz zum leisen Rollgeräusch der Wagen.

Dieser aus sechs Aluminium Wagen gebildete Zug wiegt nur 90 Tonnen. Die 120 Radreiffen geben jedoch genug Fahrwiderstand um sogar im Gefälle mit aufgedrehtem Regler fahren zu müssen.

Es ist DER Zug der Strecke Paris-Strasbourg. Er wird die 504 Kilometer in 5h15 zurücklegen, mit Halt in Nancy und Bar-Le-Duc aber ohne Lok oder Personnalwechsel !!!

Damals hatte die Region Ost das blaue Band Europas der längsten Etape mit einer Dampflok.

Vor noch zwei Jahren hätte ich den Bugatti Doppeltriebwagen gesehen, der mit seinen vier Royal Motoren von 200 PS, diesen Zug absolvierte. Durch den Fahrgastandrang wurden die Triebwagen 1948 durch den Gummizug ersetzt. Letztere wurde 1952 durch INOX DEV Wagen ersetzt.

Es ist Nacht. Ich stehe nun auf Bahnsteig 2. Der Direktzug 309 aus Metz trifft ein. Die 230 D 949, eine ehem S9 der AL zieht den Zug mit preussischem Wagenmaterial.

Ich steige in ein Abteil der dritten Klasse und mache es mir auch der Holzbank gemütlich. Ein letzter Blick auf die Umgebung.. Ich sehe die rötlichen Flammen des Offens im Wartesaal des Empfangsgebäude. Es wid kalt werden heute Nacht.

Pfiff des Chef de gare, der Zug fährt langsam ab, gewinnt schnell an Geschwingkeit und verschwindet sogleich im Tunnel richtung Strasbourg.. Au revoir Lutzelbourg, bis bald.


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Dernière MAJ - Letzte Aenderung - Last Update : 15 Dec 1999